58 Gäste kamen zum Tag der seelischen Gesundheit des Sozialpsychiatrischen Dienstes (SPDI) der Diakonie Bayreuth zusammen
Im Mittelpunkt standen persönliche Erfahrungen, die Entwicklung der Sozialpsychiatrie und neue Wege, Menschen mit psychischen Erkrankungen zu unterstützen.
Die Veranstaltung fand im Rahmen der bundesweiten Woche der Seelischen Gesundheit statt, die vom 10. bis 20. Oktober unter dem Motto „Miteinander statt nebeneinander – für eine Gesellschaft, in der jede Psyche zählt“ stand. Die Aktionswoche macht auf die Bedeutung seelischer Gesundheit aufmerksam, möchte Vorurteile und Stigmatisierung abbauen und den offenen Umgang mit psychischen Erkrankungen fördern. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie ein gesellschaftliches Miteinander gelingen kann, das niemanden ausgrenzt und Betroffenen wirksame Unterstützung und Teilhabe ermöglicht.
Besonders eindrücklich war die Podiumsdiskussion, in der eine Betroffene von Ausgrenzung und vielen Jahren des Leids im Zusammenhang mit ihrer Psychose berichtete. Heute erlebt sie sich als stabil und erfährt Unterstützung durch tragende soziale Kontakte und Hilfsangebote wie den Sozialpsychiatrischen Dienst. Ihr Beitrag machte deutlich, wie wichtig Verständnis, verlässliche Begleitung und niedrigschwellige Unterstützung für Menschen mit psychischen Erkrankungen sind.
Einen Blick zurück auf die Anfänge der Sozialpsychiatrie in Bayreuth warf Dr. Heike Schulz. Im Jahr 1980 entstand hier einer der ersten Sozialpsychiatrischen Dienste in Bayern, zunächst in der Erlanger Straße. Das damalige Angebot wurde maßgeblich durch ehrenamtliches Engagement getragen.
Anna Schomacher, langjährige Mitarbeiterin der Kulmbacher Außenstelle des SpDi, berichtete von den Veränderungen in der täglichen Arbeit. Insbesondere junge Menschen wenden sich heute an den Dienst. Auch die Mediennutzung spielt dabei eine wichtige Rolle. Trotz der vielen Jahre, in denen sie Menschen mit psychischen Erkrankungen begleitet, ist ihre Freude an der Arbeit ungebrochen.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Rolle von Genesungsbegleiterinnen und Genesungsbegleitern. Monika Gomes, selbst Genesungsbegleiterin, schilderte, wie es rund zehn Jahre Vorarbeit brauchte, bis sich die EX-IN-Bewegung zunehmend in der Praxis etablieren konnte. Ab dem kommenden Jahr soll auch in Bayreuth eine Ausbildung zur Genesungsbegleitung möglich sein. Genesungsbegleiterinnen und -begleiter bringen ihre eigenen Erfahrungen mit psychischen Krisen und dem Genesungsprozess ein, um andere Betroffene auf Augenhöhe zu unterstützen. Einsatzmöglichkeiten gibt es unter anderem beim Sozialpsychiatrischen Dienst, im Bezirkskrankenhaus, in der Maximilianshöhe oder im Jobcenter.
Neben den persönlichen Erfahrungsberichten und fachlichen Impulsen boten Themenräume Gelegenheit, sich vertieft zu informieren und unterschiedliche Aspekte der psychosozialen Versorgung kennenzulernen. Im Anschluss nutzten viele Gäste die Möglichkeit zum persönlichen Austausch.
Der Tag der seelischen Gesundheit zeigte eindrücklich, wie wichtig es ist, Erfahrungen ernst zu nehmen, Vorurteile abzubauen und Menschen mit psychischen Erkrankungen vielfältige Wege zu Unterstützung und Teilhabe zu eröffnen.
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