Pressemitteilung
Versorgungslücke im psychiatrischen und psychotherapeutischen Bereich Fachkräfte und Eltern von Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung weisen auf Missstand in Oberfranken hinVor kurzem hat sich der oberfränkische Arbeitskreis von Psychologinnen und Psychologen, die in Tagesstätten und Heimen für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung beschäftigt sind, mit der Elternbeiratsvorsitzenden des Heilpädagogischen Zentrums der Diakonie Bayreuth (HPZ), Frau Andrea Weinkopf, über die deutliche Versorgungslücke im psychiatrischen und psychotherapeutischen Bereich für diese Personengruppe verständigt und über erforderliche Maßnahmen diskutiert.
Durch ihr Handicap und ihre kognitiven Beeinträchtigungen haben Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung ein drei- bis vierfach erhöhtes Risiko, Verhaltensauffälligkeiten und psychische Störungen zu entwickeln. In neueren Studien, wie sie beispielsweise von Prof. Dr. Klaus Sarimski vom Institut für Sonderpädagogik in Heidelberg beschrieben werden, wird eine Auftretensrate von mindestens 30% für psychische Auffälligkeiten und psychiatrische Erkrankungen bei diesen Kindern und Jugendlichen festgestellt.
In Oberfranken ist aufgrund dieser Zahlen davon auszugehen, dass mindestens 300 Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung psychiatrische und/oder psycho¬therapeutische Versorgung benötigen.
Es fehlen aber im ambulanten Bereich kinder- und jugendpsychiatrische sowie kinder- und jugendpsychotherapeutische Praxen, die adäquat Therapie und Begleitung von Kindern und Jugendlichen mit eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten und für deren Angehörige anbieten können. Wartezeiten von mehreren Monaten sind an der Tagesordnung.
In Oberfranken gibt es bisher keine stationäre psychiatrische Einrichtung, die auf die besonderen Bedürfnisse dieser Kinder und Jugendlichen ausgerichtet sind. In Deutschland existieren nur wenige Spezialeinrichtungen, die aber alle mehrere hundert Kilometer von Oberfranken entfernt liegen, so dass dort weder intensive Elternarbeit noch ein regelmäßiger Austausch mit den Bezugspersonen in den Betreuungseinrichtungen möglich ist. Auch eine kontinuierliche Nachbetreuung scheitert an den weiten Entfernungen. Dies alles sind Elemente, die für einen nachhaltigen Therapieerfolg aber notwendig sind.
Psychiatrien und Kliniken sind zudem verpflichtet, in erster Linie dem akuten Versorgungsbedarf in ihrer Region gerecht zu werden. Dies führt zu langen Wartezeiten für die Kinder und Jugendlichen in Oberfranken, für die dieser Versorgungsauftrag in weit entfernten Einrichtungen nicht gilt.
In Würzburg ist eine Kinder- und Jugendpsychiatrische Abteilung für Kinder mit kognitiven Einschränkungen in Planung. Der Bau soll im Herbst dieses Jahres beginnen. Unklar ist noch, wann wirklich mit einer Eröffnung zu rechnen ist. Geplant sind 15 Betten - zuständig für den gesamten nordbayrischen Raum. Dies wird als erster hilfreicher Schritt gesehen, der allerdings weder den stationären Bedarf noch die notwendige ambulante Nachsorge der Kinder oder gar eine Beratung der Eltern bzw. pädagogischen Fachkräfte gewährleistet.
In der Folge bleiben bei der gegenwärtigen Situation die meisten Kinder und Jugendlichen mit diesen speziellen Bedürfnissen und Voraussetzungen ohne die nötige Versorgung. Dies zieht häufig schwerwiegende Krankheitsverläufe nach sich – teilweise mit letztlich langfristiger stationärer Unterbringung im Erwachsenenalter.
Der Arbeitskreis der psychologischen Fachdienste sieht den Ausbau psychotherapeutischer ambulanter und stationärer Plätze in Oberfranken für Kinder und Jugendliche mit einer geistigen Behinderung als dringend notwendig an. Voraussetzung dafür ist die Einbindung von entsprechendem Fachwissen in die psychologische und psychiatrische Ausbildung und Versorgung, um Angebote schaffen zu können, die auf die speziellen Anforderungen der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit kognitiven Handicaps zugeschnitten sind.
Kontakt:
Sylvia Lindner
Diplom-Psychologin
Heilpädagogisches Zentrum
Fachdienst
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95445 Bayreuth
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